…und ich begriff, wie stark Instinkte sein können.
Der erste Urlaub an der Ostsee.
Für Maja und Elina war alles neu.
Der Sand.
Die Wellen.
Der Wind.
Und vor allem:
👉 Wasser, so weit das Auge reichte.
Ich glaube, ich habe meine beiden selten so glücklich erlebt.
Sie rannten.
Sie planschten.
Sie tobten.
Als gäbe es kein Morgen.
Es war einer dieser Momente, in denen man einfach nur dasteht und lächelt.
Dann kam die Möwe.
Plötzlich kam eine Möwe angeflogen.
Sie drehte direkt vor den spielenden Hunden ab.
Und genau in diesem Augenblick änderte sich alles.
Maja sah die Möwe.
Und lief los.
Nicht hektisch.
Nicht wild.
Sondern mit einer Entschlossenheit, die ich bis dahin noch nie erlebt hatte.
Die Möwe flog den Strand entlang.
Immer weiter in Richtung eines schmalen Schilfstreifens, der sich weit ins Meer hineinzog.
Maja hinterher.
Bis dahin dachte ich noch, sie würde gleich wieder umdrehen.
Ich rief ihren Namen.
Einmal.
Zweimal.
Immer lauter.
Aber sie hörte mich nicht mehr.
Sie war wie in einem Tunnel.
Maja lief immer weiter auf diesem schmalen Schilfstreifen hinaus.
Mit jedem Meter wurde der Schilfstreifen schmaler und das Wasser mehr.
Und plötzlich wurde mir klar, dass sie immer weiter ins Meer lief.
Genau in diesem Moment bekam ich zum ersten Mal richtig Angst.
Und dann lief Elina los.
Als Elina sah, dass Maja losrannte,
folgte sie ihr sofort.
Nicht der Möwe.
Sondern Maja.
Ich rief inzwischen beide.
Plötzlich blieb Elina stehen.
Sie hörte die Panik in meiner Stimme.
Sie drehte sich um.
Kam aber nicht sofort zurück.
Sie stand einfach da.
Wie angewurzelt.
Als wüsste sie selbst nicht, was sie jetzt tun sollte.
Ich lief hinterher.
Ich lief hinterher. So schnell ich konnte.
Doch mit jedem Schritt wurde das Laufen schwieriger.
Der Untergrund veränderte sich.
Das Wasser wurde tiefer.
Und Maja lief immer weiter.
Bis plötzlich…
der Schilfstreifen endete.
Dort blieb sie stehen.
Ganz allein.
Weiter konnte sie nicht.
Ich glaube, in diesem Moment erschrak sie selbst.
Als würde ihr plötzlich bewusst werden,
wie weit sie gelaufen war.
Der längste Moment
Ich rief noch einmal.
Und noch einmal.
Dann drehte sie sich endlich um.
Langsam.
Ganz langsam.
Sie lief zurück.
Immer wieder versank sie ein Stück im Schilf.
Und ich dachte nur:
Bitte… schaff es einfach.
Als sie endlich bei mir ankam,
zitterten meine Hände so sehr,
dass ich die Leine kaum festmachen konnte.
Ich nahm beide Hunde.
Wir gingen schweigend zurück zum Auto.
Dort saß ich erst einmal eine ganze Weile.
Einfach nur da.
Und atmete.
Was mir diese Situation gezeigt hat
Maja hat bis heute praktisch keinen Jagdtrieb.
Auch Elina nicht.
Bis zu diesem Tag hatte ich nie erlebt, dass Maja einem Vogel hinterherlief.
Und ehrlich gesagt: Seit diesem Tag übrigens auch nicht wieder.
Genau deshalb hat mich dieser eine Moment so überrascht.
Aber Labradore wurden ursprünglich für die Jagd gezüchtet.
Nicht, um Wild zu hetzen,
sondern um zu apportieren.
Viele der Eigenschaften, die Labradore bis heute auszeichnen, lassen sich genau dadurch erklären.
👉 Warum Labradore Wasser so lieben, warum sie so eng mit ihren Menschen zusammenarbeiten und weshalb ihre ursprüngliche Aufgabe bis heute nachwirkt, habe ich in meinem Beitrag „Labrador – Familienhund, Energiebündel… und manchmal einfach Maja & Elina“ beschrieben.
Und trotzdem tragen sie bis heute Instinkte in sich,
die in ganz besonderen Momenten plötzlich sichtbar werden können.
Genau deshalb unterschätze ich diese Rasse niemals.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Respekt vor dem, was diese wunderbare Rasse ursprünglich einmal war – und bis heute in sich trägt.
Heute…
Wir fahren immer noch sehr gerne an die Ostsee.
Auch an diesen wunderschönen Strand.
Aber eines hat sich verändert.
Seit diesem Tag bleiben die Leinen dort lieber angelegt.
Nicht, weil ich meinen Hunden nicht vertraue.
Sondern weil ich weiß,
dass manchmal ein einziger Moment genügt.
Und genau dieser eine Moment kann alles verändern.
🐾 Maja würde heute wahrscheinlich sagen:
„Ich wollte doch nur mal kurz nachsehen, wo die Möwe hinfliegt…“
🐾 Elina denkt:
„Eigentlich bin ich nur hinter Maja hergelaufen…“
Seit diesem Tag weiß ich:
Manchmal reicht ein einziger Augenblick, damit selbst der zuverlässigste Hund ganz Hund ist.

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