🐾Als aus „Sie wird nicht alt“ zwölf wundervolle Jahre wurden

Kaba

Wie Kaba mir gezeigt hat, niemals die Hoffnung aufzugeben.

Ein Hund, auf den ich so lange gewartet hatte

Es gibt Hunde, die begleiten einen durchs Leben.

Und es gibt Hunde, die verändern die eigene Sicht auf das Leben.

Kaba war mein erster Labrador.

Schon als Kind wusste ich, dass irgendwann wieder ein Hund bei mir leben würde. Ich war mit einem Pudel aufgewachsen und dieser Wunsch hatte mich nie verlassen. Als mein Mann und ich später in die Nähe meiner Eltern zogen, wurde dieser Traum endlich Wirklichkeit.

Kaba kam als Welpe zu uns.

Unser Züchter war damals noch jung. Es war erst sein zweiter Wurf, doch schon damals spürte man, mit wie viel Herzblut er seine Hunde aufzog. Die Welpen kannten Radio, Staubsauger, Autofahren, Kinder, andere Hunde, Wald und Wiesen. Sie bekamen den bestmöglichen Start ins Leben.

Bis heute verbindet uns diese Zucht.

Über dreißig Jahre später stammt auch Elina von dort.

Für mich ein wunderschöner Kreis, der sich geschlossen hat.

Damals arbeitete ich Vollzeit. Morgens standen wir früh auf und drehten eine große Runde, bevor ich zur Arbeit fuhr. Tagsüber kümmerten sich meine Eltern liebevoll um Kaba und nach Feierabend gehörte der Nachmittag wieder uns.

Wir wohnten in der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses – direkt am Park.


Ein junger Labrador voller Energie

Kaba war ein typischer junger Labrador.

Voller Energie.

Immer bereit zu spielen.

Immer unterwegs.

Nach unseren Spaziergängen wollte sie oft gar nicht nach Hause.

Mitten auf dem Heimweg legte sie sich einfach auf den Boden.

Kein Schritt weiter.

In der Hundeschule erzählte ich unserem Trainer davon. Er galt damals als der Labrador-Experte schlechthin.

Seine Antwort war kurz:

„Sie ist einfach stur. Du musst Dich durchsetzen.“

Mal klappte es.

Mal nicht.

Heute weiß ich, dass diese Geschichte noch eine ganz andere Erklärung hatte.


Der Anruf, der alles veränderte

Als Kaba etwa zwölf Monate alt war, bekamen wir einen Anruf unseres Züchters.

Mehrere Hunde aus dem Wurf waren schwer an Hüftdysplasie erkrankt.

Er bat uns eindringlich, Kaba ebenfalls röntgen zu lassen.

Mit dieser Nachricht hatte niemand gerechnet.

Eigentlich planten wir gerade unseren Urlaub.

Das Röntgenbild veränderte alles.

Schwere Hüftdysplasie.

Auf beiden Seiten.

Unsere Tierärztin – die übrigens bis heute Maja und Elina betreut – war selbst sehr betroffen.

Sie erklärte uns ruhig, welche Möglichkeiten es damals gab, um Schmerzen zu lindern.

Dann sagte sie einen Satz, den ich niemals vergessen werde:

„Ich glaube nicht, dass dieser Hund alt wird.“

Für mich brach eine Welt zusammen.


Die Hoffnung nicht aufgeben

Ich konnte und wollte das nicht akzeptieren.

Also begann ich zu recherchieren.

Ich telefonierte mit Kliniken.

Las Fachartikel.

Suchte nach jeder noch so kleinen Hoffnung.

Schließlich fand ich eine Klinik, die damals eine neue Operationsmethode anbot.

Dort erfuhren wir zum ersten Mal, wie schwer Kabas Hüften tatsächlich betroffen waren.

Der Spezialist schaute mich an und sagte:

„Dieser Hund muss höllische Schmerzen haben.“

Sofort kamen die Selbstvorwürfe.

Wir hatten Kaba in den ersten Monaten jede Treppe getragen.

Doch irgendwann wurde sie einfach zu schwer.

Also musste sie selbst laufen.

Mit Tränen in den Augen fragte ich:

„Haben wir das verursacht?“

Seine Antwort werde ich niemals vergessen.

„Nein. Das hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet.“

Durch das Treppenlaufen hatte Kaba Muskulatur aufgebaut, die einen Teil der fehlenden Stabilität übernahm.

Zum ersten Mal fiel eine Last von meinen Schultern.

Es gab Hoffnung.


Zwei Operationen und ein Rollrasen auf dem Balkon

Die Operation wurde direkt nach unserem Urlaub geplant.

Zuerst die eine Seite.

Acht Wochen später die andere.

Für einen gerade einmal einjährigen Labrador begann eine lange Zeit der Schonung.

Natürlich durfte Kaba keine Treppen laufen.

Wir trugen sie im Körbchen auf die Wiese hinter unserem Haus.

Doch Kaba machte einfach nicht.

Kein Pipi.

Kein Häufchen.

Also fuhr ich los und kaufte Rollrasen.

Ich legte ihn auf unserem Balkon aus und war überzeugt:

„Jetzt klappt es bestimmt.“

Kaba betrachtete den neuen Rasen.

Legte sich gemütlich darauf.

Und fand ihn einfach wunderbar zum Ausruhen.

Nach zwei Tagen beschlossen wir, einen anderen Weg zu versuchen.

Wir setzten sie mitsamt ihrem Körbchen ins Auto, fuhren in den Wald, stellten sie vorsichtig auf den Boden – und endlich konnte sie sich lösen.

Die nächsten Wochen bestanden aus Geduld.

Langsamen Spaziergängen.

Leckerchen suchen in der Wohnung.

Kleinen Denkspielen.

Alles, was sie beschäftigen konnte, ohne ihre Hüften zu belasten.

Nach acht Wochen folgte die zweite Operation.

Und wieder begann alles von vorn.


Zwölf Jahre, die niemand erwartet hatte

Heute weiß ich:

Jede einzelne Anstrengung hat sich gelohnt.

Kaba konnte laufen.

Sie konnte rennen.

Sie konnte schwimmen.

Sie konnte einfach Hund sein.

Ich weiß, dass andere Hunde aus ihrem Wurf dieses Glück leider nicht hatten.

Vielleicht hatten wir Glück.

Vielleicht den richtigen Tierarzt.

Vielleicht den richtigen Zeitpunkt.

Wahrscheinlich war es von allem ein bisschen.

Was ich aber ganz sicher weiß:

Aus einem Hund, dem man mit zwölf Monaten keine lange Zukunft prophezeite, wurden zwölf wundervolle Jahre.

Zwölf Jahre voller Spaziergänge.

Voller Abenteuer.

Voller gemeinsamer Erinnerungen.

Kaba war ein glücklicher Hund.

Viele der Geschichten, die ich heute hier auf „Ehrlich auf vier Pfoten“ erzähle – vom Besuch bei Carlos, vom Papagei, von fremden Küchen oder anderen kleinen Abenteuern – wären ohne diese zwölf Jahre niemals entstanden.


Was Kaba und Jule mich gelehrt haben

Viele Jahre später kam Jule in unser Leben.

Auch bei ihr hörte ich mehrfach Sätze wie:

„Sie hat nur noch ein paar Wochen.“

Oder:

„Vielleicht noch ein paar Monate.“

Wieder begann das Suchen.

Wieder das Hoffen.

Wieder das genaue Beobachten.

Kaba und Jule haben mich auf ganz unterschiedliche Weise unglaublich viel gelehrt.

Vor allem eines:

Eine Diagnose beschreibt einen Moment.

Sie beschreibt niemals die Liebe, den Lebenswillen oder die gemeinsame Zeit, die noch vor einem liegen kann.


Dankbarkeit

Wenn ich heute sehe, wie Maja und Elina über Wiesen rennen, durch Bäche planschen oder voller Begeisterung durchs Leben gehen, erfüllt mich vor allem eines:

Dankbarkeit.

Dankbarkeit für Kaba.

Dankbarkeit für Jule.

Und Dankbarkeit für zwei gesunde, fröhliche, manchmal ziemlich verrückte und gelegentlich auch anstrengende Labrador-Mädchen, die mein Leben jeden Tag bereichern.

Denn eines haben alle vier Hunde gemeinsam:

Sie haben mein Leben verändert.

Jeder auf seine ganz eigene Weise.

Und genau deshalb gibt es „Ehrlich auf vier Pfoten“.


📷 Eine kleine Anmerkung

Die Geschichten von Kaba liegen inzwischen über 30 Jahre zurück. Damals gehörte eine Kamera nicht selbstverständlich zu jedem Spaziergang, und Fotos wurden noch auf Film aufgenommen.

Deshalb gibt es von Kaba nur wenige Bilder. Manche werden Dir in dieser Rubrik öfter begegnen.

Ich hoffe, das macht nichts.

Denn jede dieser Erinnerungen erzählt ein anderes Kapitel aus unserem gemeinsamen Leben. 🤎

🐾 Maja denkt: Wenn Du wieder vorbeischaust, bekommst Du ein Küsschen.

🐾 Elina denkt: Und ich freue mich schon darauf, Dir unsere nächste Geschichte zu erzählen.

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